Magnesium

ADHS-Betroffene haben häufig einen erhöhten Magnesiumbedarf bei gleichzeitig niedrigen Magnesiumspiegeln im Serum. Das ist u.a. darauf zurückzuführen, dass ADHS-Erkrankte vermehrt unter Stress stehen und die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin eine vermehrte Magnesium-Ausscheidung bewirkt.

Ein Zuwenig an diesem Mineralstoff, den man auch als „Antistressmineralstoff“ bezeichnet, kann sich in einer geringeren physischen und psychischen Belastbarkeit äußern, weiter auch in Unruhezuständen, Reizbarkeit, Konzentratiosstörungen, depressiven Verstimmungen u.a.

Eine polnische Arbeitsgruppe konnte bei 116 ADHS-Kindern in 59 Prozent der Fälle verminderte Magnesiumkonzentrationen in den roten Blutkörperchen nachweisen, in 33,6 Prozent der Fälle waren die Serum-Magnesium-Spiegel vermindert. In der Gruppe der Kinder, die 6 Monate lang Magnesium-Supplemente erhielten, kam es zu einer deutlichen Verminderung der Hyperaktivität. (1), (2)

Ein französisches Forscherteam der Universität Nimes um Dr. Marianne Mousain-Bosc stellte bei ADS-Patienten fest, dass die Gabe von Magnesium, kombiniert mit Vitamin B6, zu einer Linderung der ADS-Symptome führte. (3)

Der schweizerische Pädiater Professor Dr. Kurt Baerlocher stellte eine randomisierte Doppelblindstudie mit 230 hyperaktiven Kindern vor, bei denen die Wirkung von Calcium und Magnesium getestet wurde. Bei 80,2 Prozent der Kinder zeigte die Behandlung mit Magnesiumaspartat sehr gute bis gute Effekte. (4)

 

Eisen

Eisen ist an der Synthese von Dopamin und Serotonin beteiligt. Ein Eisenmangel kann die Bildung dieser wichtigen Neurotransmitter stören. Auch bedeutend ist, dass Eisen für die Sauerstoffversorgung, für die Energieproduktion und für die Synthese der Nervenscheiden (Myelin) notwendig ist. Eine schlechte Eisenversorgung kann zu Intelligenzdefiziten führen. Es gibt auch Hinweise, dass Eisenmangel die neurotoxischen Effekte von Blei erhöht.

In einer unkontrollierten israelischen Studie mit 14 Jungen mit der Diagnose ADHS zeigte eine Eisensupplementierung eine Verbesserung der ADHS-Symptomatik. (5)

Eine Gruppe französischer Wissenschaftler untersuchte bei 53 Kindern mit der Diagnose ADHS im Alter von 4 – 14 Jahren und bei 27 Kontrollkindern die Ferritinkonzentrationen. Der Schweregrad der ADHS-Symptomatik wurde mittels der „Conners`Parent Rating Scale scores“, einem Elternfragebogen, beurteilt. Bei den Kindern mit ADHS waren die Ferritinkonzentrationen niedriger als bei den Kontrollpersonen. 84 Prozent der Kinder hatten abnormale Ferrtinkonzentrationen (< 30 ng/ mL), bei der Kontrollgruppe waren es nur 18 Prozent. Die niedrigen Ferritinkonzentrationen waren mit einem erhöhten Schweregrad der ADHS-Symptomatik und mit größeren kognitiven Defiziten assoziiert. (6)

Von der gleichen Arbeitsgruppe aus Paris wurde im Januar 2008 eine Studie publiziert, in der der Effekt einer Eisensupplementierung auf die ADHS-Symptomatik untersucht wurde. 23 Kinder im Alter von 5 – 8 Jahren mit Ferritinkonzentrationen unter 30 ng/ ml und der Diagnose ADHS erhielten entweder 80 mg Eisensulfat oder ein Placebopräparat über einen Zeitraum von 12 Wochen. In der „Eisengruppe“ kam es zu einer zunehmenden Verbesserung der ADHD-Rating-Scale. Allerdings war nicht bei allen psychologischen Testverfahren ein signifikanter Unterschied zwischen der „Eisengruppe“ und der „Placebogruppe“ nachweisbar. Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass eine Eisensupplementierung die ADHS-Symptomatik bei Kindern mit niedrigen Ferritinkonzenrationen zu verbessern scheint und die Notwendigkeit für weitere kontrollierte Studien besteht. Die Eisentherapie wurde gut vertragen, und die Effektivität war vergleichbar mit der Effektivität einer Stimulantientherapie. (7)

In den letzten Monaten wurden verschiedene Fachartikel einer kinder- und jugendpsychiatrischen Forschergruppe des Ataturk Hospitals in Ankara publiziert. Sie konnten nachweisen, dass verminderte Eisenspeicher bei ADHS-Patienten auch das Risiko für das Restless Leg Syndrom erhöhen. Ein Eisenmangel scheint also ein wichtiger Faktor zu sein, der diese beiden Krankheitsbilder verbindet. (8)

Im Dezember 2007 veröffentlichten die türkischen Wisssenschaftler eine Studie mit 151 ADHS-Kindern. Es wurde untersucht, inwieweit die Ferritinkonzentration einen Einfluss auf die ADHS-Symptomatik hat. Zur Einschätzung der ADHS-Symptomatik wurden wie üblich Eltern bzw. Lehrerfragebögen verwendet. Das Ergebnis der Untersuchung ließ vermuten, dass niedrige Ferritinkonzentrationen mit einem höheren Maß an Verhaltensproblemen verbunden sind, die sowohl von Lehrern als auch von Eltern so bewertet wurden. (9)

Im Februar 2008 wurden die Ergebnisse einer Studie mit 52 ADHS-Kindern publiziert, in der zahlreiche neuropsychologische Tests verwendet und verschiedene Parameter des Eisenstoffwechsels untersucht worden waren. Niedrige Ferritinkonzentrationen waren mit höheren Hyperaktivität-Scores bei der Elternbeurteilung assoziiert. Es wurde kein Zusammenhang zwischen der Ferritinkonzentration und kognitiven Parametern festgestellt. (10)  

 
Zink

In einer türkischen Studie, die 1996 veröffentlicht wurde, fanden Forscher bei ADHS-Patienten einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Zinkkonzentration und der Konzentration freier Fettzellen. Bei den ADHS-Patienten stellte man verminderte Fettsäurekonzentrationen fest, die möglicherweise mit einem Zinkmangel zusammenhängen könnten. (11)

Von der gleichen türkischen Universität wurde 2004 eine Studie publiziert, in der die Wirksamkeit einer Therapie mit 150 mg Zinksulfat im Vergleich zu Placebo bei ADHS-Patienten untersucht wurde. Zur Beurteilung der ADHS-Symptomatik wurden verschiedene Konners-Scalen verwendet. Die Zinktherapie war bei Patienten mit ADHS gegenüber der Placebotherapie signifikant überlegen bezüglich der Verminderung der Hyperaktivität, der Impulsivität und des gestörten Sozialverhaltens.(12)

Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie der Universität Theheran konnte nachweisen, dass das Zinksulfat als adjuvante Therapie zu Methylphenidat eine signifikante Verbesserung des Behandlungserfolgs bewirkte.(13)

In einer Untersuchung der Ohio State University ergaben sich Hinweise, dass niedrige Zinkkonzentrationen speziell Unaufmerksamkeitssymptome bei ADHS verstärkten. (14)

In einer Studie der Universität Ankara wurden bei 28 Jungen mit ADHS-Symptomatik die Zinkkonzentrationen bestimmt und die ereigniskorrelierten Potentiale gemessen. Es zeigte sich eine signifikante positive Korrelation zwischen den Plasma-Zink-Konzentrationen und der Amplitute und Latenz der frontalen N2-Welle. Daraus kann geschlosssen werden, dass die Plasma-Zink-Konzentration bei ADHS die Informationsverarbeitung beeinflusst. Die Veränderung der N2-Welle könnte auf einen veränderten Hemmprozess hindeuten. Der Zusammenhang zwischen Zink und diesem Hemmprozess sollte noch weiter erforscht werden. (15)

 

Referenzen:

  1. Kozielec T et al: Assessment of magnesium levels in children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD); Magnes Res. 1997 Jun; 10(2): 143-8
  2. Starobrat-Hermelin B, Kozielec T: The effects of magnesium physiological supplementation on hyperactivity in children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD). Positive response to magnesium oral loading test; Magnes Res. 1997 Jun; 10(2): 149-56
  3. Mousain-Bosc M et al: Improvement of neurobehavioral disorders in children supplemented with magnesium-vitamin B6. I. Attention deficit hyperactivity disorder; Magnes Res. 2006 Mar; 19(1): 46-52
  4. Internationales Symposium: "Differentielle Pharmakotherapie bei neurovegetativer Dysbalance, Impulsität und ADHS – was sind Alternativen?" am 24.11.2004 in Berlin; Schimatschek, H. F.; Classen, H.-G., Baerlocher, K., Thöni, H., Der Kinderarzt 2 (1997) 196-203
  5. Sever Y et al: Iron treatment in children with attention deficit hyperactivity disorder. A preliminary report; Neuropsychobiology. 1997; 35(4): 178-80
  6. Konofal E et al: Iron deficiency in children with attention deficit hyperaktivity disorder; Arch Pediatr Adolesc Med. 2004 Dec; 158(12): 1113-5
  7. Konofal E et al: Effects of iron supplementation on attention deficit hyperactivity disorder in children; Pediatric Neurologie, 2008 Jan, 38(1): 20-6
  8. Oner P et al: Association between low serum ferritin and restless legs syndrome in patients with attention deficit hyperactivity disorder; Tohoku J Exp Med. 2007 Nov; 213(3): 269-76
  9. Oner P, Oner O: Relationship of ferritin to symptom ratings children with attention deficit hyperactivity disorder: effect of comorbidity; Child Psychiatry Hum Dev. 2008 Sep; 39(3): 323-30. Equb 2007 Dec 29
  10. Oner P et al: Relation of ferritin levels with symptom rating and cognitive performance in children with attention deficit hyperactivity disorder; Pediatr. Int. 2008
  11. Bekaroglu M et al: Relationships between serum free fatty acids and zinc, and attention deficit hyperactivity disorder: a resarch note; J Child Psychol Psychiatry. 1996 Feb; 37(2): 225-7
  12. Bilici M et al: Douple-blind, placebo-controlled study of zinc sulfate in the treatment of attention deficit hyperactivity disorder; Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2004 Jan; 28(1): 181-90
  13. Akhondzadeh S et al: Zinc sulfate as an adjunct to methylphenidate for the treatment of attention deficit hyperactivity disorder in children: a double blind and randomised trial (ISRCTN64132371); BMC Psychiatry. 2004 Apr 8, 4:9
  14. Arnold LE et al: Serium zinc correlates with parent and teacher rated inattention in children with attention deficit hyperactivity disorder; J Child Adolesc Psychopharmacol.2005 Aug; 15(4): 628-35
  15. Yorbik O et al: Potential effects of zinc on information processing in boys with attention deficit hyperactivity disorder; Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2008 Apr 1; 32(3): 662-7. Epub 2007 Nov 17

 

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